Angebot nach Aufmaß: So geht es schneller
Christopher Renner5 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Ein Angebot dauert nicht wegen des Tippens lange, sondern weil zwischen Aufmaß und Angebot Stunden oder Tage liegen. Wer das Aufmaß noch vor Ort vollständig einspricht, eine gepflegte Preisliste hat und nur noch freigibt, statt zu schreiben, bringt das Angebot am selben Tag zum Kunden — oft noch, bevor der Wettbewerber zurückgerufen hat.
Der Kunde ruft an, das Bad soll neu, die Heizung ist alt. Du fährst hin, misst, schaust in den Keller, redest eine halbe Stunde. Und dann? Dann liegt der Zettel im Transporter, bis du abends oder am Wochenende Zeit hast. Bis dahin hat der Kunde zwei andere Betriebe angerufen.
Wer zuerst ein sauberes Angebot schickt, hat einen Vorsprung, den kein Preisnachlass aufholt. Hier ist, wie das ohne Nachtschicht geht.
Schritt 1: Vor Ort alles festhalten, was später fehlt
Der häufigste Grund für ein langsames Angebot ist eine Lücke im Aufmaß: Was war die Wandstärke? Wie weit ist es vom Zähler zum Aufstellort? Gab es einen Kaminanschluss? Dann folgt ein Rückruf, ein zweiter Termin, ein Tag mehr.
Was bei jedem Aufmaß dazugehört
- Bestand: Was ist da, welcher Hersteller, welches Baujahr, welcher Zustand?
- Leistung: Was soll raus, was soll rein?
- Mengen: Meter, Quadratmeter, Stück. Lieber einmal mehr messen.
- Zugang und Weg: Etage, Treppenhaus, Aufzug, Entfernung zum Transporter, Entsorgung.
- Besonderheiten: Was macht der Kunde selbst? Was muss mit einem anderen Gewerk abgestimmt werden (Elektriker, Fliesenleger)?
- Fotos: Typenschild, Anschlüsse, Engstellen. Ein Foto ersetzt drei Rückfragen.
Pro Gewerk die Fragen, die gern vergessen werden
- Bad: Höhe der Vorwand, Abfluss-Gefälle für bodengleiche Dusche, wer fliest, wer macht Elektro.
- Heizungstausch: Abgasweg, Brennstoff, Tank (Stilllegung?), hydraulischer Abgleich gewünscht?
- Wärmepumpe: Heizlast (berechnet, nicht geschätzt), Vorlauftemperatur, Aufstellort und Abstand zur Grenze, Elektroanschluss. Mehr dazu in unserem Beitrag Wärmepumpe anbieten.
Schritt 2: Das Aufmaß sofort einsprechen — nicht abends aufschreiben
Der wirksamste Einzelschritt: Das Aufmaß entsteht noch im Keller oder im Bad, nicht am Küchentisch. Zwei Minuten am Handy, solange du alles vor Augen hast. Das ist schneller als jede Notiz, und es funktioniert mit Handschuhen.
So klingt eine gute Sprachnotiz
Sprich so, wie du es einem Kollegen am Telefon erklären würdest. Reihenfolge hilft:
„Bad im Obergeschoss bei Familie Weber. Wanne raus inklusive Entsorgung, bodengleiche Dusche rein, 90 mal 120. Vorwand drei Meter für WC und Waschtisch. Zwei neue Armaturen, Unterputz in der Dusche. Waschtisch und WC liefert der Kunde selbst. Fliesen macht der Kunde, Elektro auch."
Daraus lassen sich die Positionen eindeutig ablesen: Demontage, Duschwanne mit Abdichtung, Vorwand in Metern, Armaturen in Stück — und, genauso wichtig, was nicht ins Angebot gehört.
Was du nicht sagen musst
Preise. Die kommen nicht aus dem Gedächtnis, sondern aus deiner Preisliste. Wer am Telefon „Duschwanne 1.240 Euro" sagt, hat sich schon in die Falle des Schätzens begeben.
Schritt 3: Die Preisliste macht das Angebot — nicht die Software
Ein schnelles Angebot steht und fällt mit einer Preisliste, in der alles drin ist, was du häufig anbietest. Drei Quellen:
- DATANORM vom Großhändler. Artikel, Bezeichnungen, Listenpreise. Einmal einlesen, regelmäßig aktualisieren.
- Eigene Leistungen: Stundensatz Monteur, Stundensatz Helfer, Anfahrt, Entsorgung, Inbetriebnahme, Druckprüfung.
- Pauschalen, die du immer gleich rechnest: Demontage Badewanne, Kleinmaterial, Baustelleneinrichtung.
Mit dieser Liste ist das Angebot keine Kalkulation mehr, sondern eine Zuordnung: Was gesprochen wurde, wird zu Positionen mit Mengen, und jede Position bekommt ihren Preis aus deiner Liste. In MeisterAssistent dauert das vom Ende der Sprachnotiz bis zum fertigen Entwurf rund 20 Sekunden. Fehlt ein Preis, bleibt die Zeile leer und ist markiert — eine sichtbare Lücke ist harmlos, eine geratene Zahl auf einem angenommenen Angebot nicht.
Schritt 4: Freigeben statt schreiben
Deine Arbeit am Angebot ist jetzt das, was nur du kannst: draufschauen. Stimmen die Mengen? Sind sechs Stunden realistisch oder eher sieben, weil der Schacht enger ist als gedacht? Fehlt der Hinweis auf die Förderung?
Das geht auf dem Handy, auf dem Weg zum nächsten Kunden. Danach ein Tipp, und das Angebot geht als PDF mit deinem Logo von deiner eigenen E-Mail-Adresse raus. Bei Privatkunden mit ausgewiesenem Lohnanteil nach § 35a EStG — danach wird sowieso gefragt.
Schritt 5: Den Ortstermin nicht verschenken
Ein Aufmaß kostet dich eine Stunde plus Fahrt. Bei aufwendigen Objekten ist es fair, den Besuch zu berechnen, wenn kein Auftrag daraus wird — oder ihn bei Auftrag zu verrechnen. Sag das dem Kunden vorher.
In MeisterAssistent wird die Zeit des Aufmaß-Besuchs gestempelt wie jeder andere Einsatz. Wenn du willst, wird daraus mit einem Tipp eine Rechnung über den Besuch.
Schritt 6: Nachträge ohne neues Angebot
Beim zweiten Termin fällt auf: Das Fallrohr muss auch neu. Statt ein komplett neues Angebot zu schreiben, sprichst du die Ergänzung ein, und das bestehende Angebot wird fortgeschrieben. Der Kunde bekommt einen sauberen Nachtrag, du tippst nichts doppelt.
Schritt 7: Nachfassen nach einer Woche
Ein Angebot, auf das nach sieben bis zehn Tagen niemand reagiert hat, ist nicht abgelehnt — es ist untergegangen. Ein kurzer Anruf („Haben Sie noch Fragen zum Angebot?") holt erstaunlich viele zurück. Dafür musst du nur wissen, welche Angebote offen sind. In MeisterAssistent stehen sie in einem eigenen Stapel „Angebot offen".
Der Ablauf im Überblick
| Schritt | Wo | Dauer |
|---|---|---|
| Aufmaß nehmen, Fotos | Beim Kunden | wie bisher |
| Sprachnotiz | Beim Kunden | 1–2 Minuten |
| Angebotsentwurf | Automatisch | rund 20 Sekunden |
| Prüfen und freigeben | Unterwegs | 2–5 Minuten |
| Nachfassen | Nach 7–10 Tagen | 1 Anruf |
Häufige Fragen
Wie schnell sollte ein Angebot nach dem Aufmaß beim Kunden sein?
So schnell wie möglich, idealerweise am selben oder am nächsten Tag. Kunden holen bei größeren SHK-Aufträgen meist mehrere Angebote ein, und wer zuerst ein vollständiges, sauberes Angebot schickt, wirkt zuverlässiger und hat einen echten Vorsprung.
Kann ich ein Aufmaß per Sprachnotiz erfassen?
Ja. Software wie MeisterAssistent wandelt eine Sprachnotiz vom Ortstermin in ein strukturiertes Angebot mit Positionen und Mengen um. Die Preise kommen dabei aus der eigenen Preisliste des Betriebs, nicht aus der KI. Fehlt ein Preis, wird die Position markiert, statt einen Betrag zu schätzen.
Darf ich das Aufmaß berechnen?
Ja, wenn du es mit dem Kunden vorher vereinbarst. Viele SHK-Betriebe berechnen den Ortstermin bei aufwendigen Objekten und verrechnen ihn, wenn der Auftrag zustande kommt. Wichtig ist, dass der Kunde es vorher weiß.