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KI im Handwerk: Was wirklich funktioniert — und was nicht

Christopher Renner

„KI" steht inzwischen auf jeder zweiten Handwerkersoftware. Meistens ist damit etwas anderes gemeint als beim Nachbarn: mal eine Einsatzplanung, die Routen optimiert, mal eine Textvorschlagsfunktion, mal eine echte Spracherkennung. Der Begriff sagt für sich genommen nichts — die Frage ist, welche Aufgabe damit erledigt wird.

Hier die Aufteilung, wie sie sich in der Praxis darstellt.

Was funktioniert

1. Gesprochenes in Struktur übersetzen

Aus einem gesprochenen Satz herauszulesen, welche Leistungen in welcher Menge gemeint sind, ist eine Sprachaufgabe. Genau darin sind Sprachmodelle zuverlässig, und zwar auch bei Fachbegriffen, Dialekt und Baustellenlärm im Hintergrund. Das ist der Grund, warum das Aufmaß der beste Einstiegspunkt ist: Es entsteht dort, wo niemand tippen kann.

2. Wiederkehrende Texte formulieren

Zahlungserinnerungen, Terminvorschläge für fällige Wartungen, kurze Auftragsbeschreibungen. Höflich, in gleichbleibendem Ton, ohne dass jemand abends zwölfmal denselben Satz neu schreibt.

3. Belege lesen

Eine Eingangsrechnung vom Großhändler enthält Positionen, Beträge und meist eine Auftrags- oder Kommissionsnummer. Sie herauszulesen und dem richtigen Vorgang zuzuordnen ist eine Leseaufgabe, und die ist gelöst.

4. Auffallen, wenn etwas nicht stimmt

Eine Marge, die unter der eigenen Schwelle liegt. Ein Angebot, auf das seit vierzehn Tagen niemand geantwortet hat. Eine Wartung, die fällig ist und keinen Termin hat. Das ist im Kern Rechnen und Vergleichen — der Wert liegt darin, dass es von selbst passiert und nicht erst, wenn jemand nachsieht.

Was nicht funktioniert

1. Preise

Ein Modell, das einen Gerätepreis „weiß", hat ihn geschätzt. Für einen kalkulierenden Betrieb ist das die gefährlichste Sorte Fehler, weil das Ergebnis plausibel aussieht. Preise gehören in eine gepflegte Artikelliste — beim SHK typischerweise aus DATANORM-Dateien des Großhändlers — und nirgendwo sonst hin.

2. Fachliche Entscheidungen

Ob die Leitung neu gezogen werden muss oder ob der Bestand reicht, ob sieben Stunden angesetzt werden oder sechs: Das entscheidet, wer im Keller stand. Eine Software, die das übernehmen will, verlagert Verantwortung an eine Stelle, die sie nicht tragen kann.

3. Rechtliche Zusagen

Ob ein Beleg den Anforderungen der GoBD genügt, ob eine Frist nach Trinkwasserverordnung eingehalten ist, ob eine Rechnung alle Pflichtangaben trägt — das sind Regeln, keine Wahrscheinlichkeiten. Sie gehören fest einprogrammiert und geprüft, nicht generiert.

Die praktische Konsequenz

Die nützliche Frage an eine Software mit „KI" im Titel ist nicht, ob sie welche hat, sondern:

Woher kommen die Zahlen, die am Ende auf dem Angebot stehen?

Kommt die Antwort ohne Zögern — „aus Ihrer Artikelliste" — ist das ein gutes Zeichen. Kommt sie nicht, ist es eines, das man ernst nehmen sollte.


MeisterAssistent ist ein KI-Assistent für SHK-Betriebe. Was er tut und was ausdrücklich nicht, steht unter Der Kreislauf und Warum SHK.